Gerhard Kern blickt auf fast sechs Jahrzehnte Judo zurück und krönt seinen langen Weg nun mit der Ausbildung zum „Staatlich geprüften Trainer“.
Manchmal beginnt ein Weg, dessen eigentliches Ziel erst Jahrzehnte später sichtbar wird. Für Gerhard Kern begann dieser Weg am 1. März 1968: Als 13-Jähriger trat er dem Judoklub Leibnitz bei. Was damals mit ersten Prüfungen und Wettkämpfen begann, entwickelte sich zu einer lebenslangen Verbindung mit dem Judo.
Kern kämpfte bei Meisterschaften, wurde 1973 steirischer Juniorenmeister im Mittelgewicht und war auch bei Mannschaftsbewerben auf Landesebene und in der damaligen Staatsliga B im Einsatz. Seine aktive Karriere fand jedoch 1979 nach einem Genickbruch ein jähes Ende. Das Judogi musste vorerst am berühmten Nagel hängen bleiben.
Die Verbindung zum Verein riss trotzdem nie ab. Als Funktionär, Sponsor, Prüfungsreferent und später wieder als Trainer blieb Kern dem Judosport verbunden. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2009 stieg er noch intensiver in die Vereinsarbeit ein. Besonders die Ausbildung von Dan-Anwärtern und die Nage no kata wurden zu wichtigen Schwerpunkten.
Sein persönlicher Weg führte ihn über die Ausbildungen zum Übungsleiter, Instruktor und Trainer-Grundkurs schließlich zur großen Herausforderung: der österreichischen Trainerausbildung an der Bundessportakademie (BSPS) 2025/26 zum „Staatlich geprüften Trainer“.
„Das ganze Leben ist für mich ein ständiger Lernprozess“, beschreibt Kern seine Haltung. Bewährtes erhalten, Neues kennenlernen und das Gelernte möglichst in die Praxis umsetzen – dieser Gedanke begleitete ihn durch die Ausbildung.
Und zu lernen, gab es viel: Trainings- und Bewegungslehre, Biomechanik, Leistungsdiagnostik, Videoanalyse, Trainingsplanung und modernes Wettkampf-Coaching standen ebenso auf dem Programm wie die Beobachtung internationaler Spitzenathleten.
Besonders die praktischen Erfahrungen beim internationalen Trainingslager in Mittersill und dem Grand Prix in Linz hinterließen bleibende Eindrücke. Kämpfe wurden systematisch analysiert – von Griffkampf und Auslage über Technik und Taktik bis hin zu den Übergängen vom Stand- zum Bodenkampf. In Linz begleitete Kern zudem die Judoka Lisa Tretnjak vom eigenen Verein und dokumentierte ihren Wettkampf, bevor er die Begegnung anschließend gemeinsam mit ihr reflektierte.
Dabei entwickelte sich auch sein eigenes Trainerverständnis weiter. Eine gute Analyse, so seine Erkenntnis, muss nicht möglichst viele Informationen liefern. Entscheidend ist vielmehr, die wenigen wichtigen Punkte herauszufiltern und gemeinsam mit dem Athleten daraus konkrete nächste Schritte abzuleiten.
Am 19. September 2026 war es schließlich so weit: Nach vielen Ausbildungs- und Prüfungstagen bestand Gerhard Kern die kommissionelle Abschlussprüfung. Unter dem Vorsitz von Andreas Vock (BSPA) und mit Gernot Wenzel (ÖJV) und Klaus-Peter Stollberg als Beisitzer konnte er den Titel „Staatlich geprüfter Trainer“ entgegennehmen.
Für Kern ist dieser Erfolg allerdings kein Schlusspunkt. Vielmehr ist er ein weiterer Abschnitt auf einem Weg, der vor knapp 60 Jahren auf der Judomatte in Leibnitz begonnen hat.
Sein Motto bleibt dabei unverändert: Stärken stärken, Schwächen schwächen – und immer weiterlernen.
Denn eines zeigt seine Geschichte eindrucksvoll: Für den Judosport kann man sich entscheiden. Für das Lernen gibt es kein Ablaufdatum.

Neueste Kommentare